Farbtrends und Fotos zur imm cologne 2016: Eine Farbe ist niemals allein
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Farbtrends und Fotos zur imm cologne 2016: Eine Farbe ist niemals allein

Zusammen mit der Farbexpertin Dr. Hildegard Kalthegener bestimmte far.consulting die Trendfarben für das Einrichtungsjahr 2016. In Franks Garage entstanden die passenden Fotos dazu.

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  • Client:

    Koelnmesse GmbH

  • Our Role:

    Entwicklung PR-Foto-Konzept, Trendforschung, Styling, Art-Direction und Text

Erste Anhaltspunkte zeigen, welche Farbklänge unsere Wohnungen künftig in neues Licht tauchen. Mit Akzenten von Wassermelone bis Flamingo, von Goldgelb bis Sand verspricht die kommende Saison warme, farbintensive Eindrücke.

Wer nach der nächsten Trendfarbe fragt, liegt schon falsch. Denn eine Farbe kommt niemals allein. Sie steht immer im Kontext anderer Farben (neuer wie bereits vorhandener) und Materialien. Dieses Jahr erwartet die Besucher der imm cologne, der ersten Einrichtungsmesse des Jahres, wohl vor allem eine Verschiebung in der Skala der Dunkeltöne: So rechnet etwa Farbexpertin Dr. Hildegard Kalthegener mit einem Bedeutungsverlust des von der McDonaldisierung angestaubten Kaffeebrauns. Diesen Raum füllen andere Farben auf, die wiederum neue, ungewohnte Kombinationen erlauben.

Die Farbberaterin schaut vor allem danach, welche Farbnuancen weiterführend sind. Da das schon jetzt häufig eingesetzte Blau eine kühle Farbe ist, kann sie gut mit warmen Holztönen kombiniert werden. „Warme Holztöne sind in der Möbelwelt immer wichtig und bleiben es auch. Doch in den letzten Jahren wurden mit der Kaffee-Welle alle möglichen Brauntöne von Cappuccino bis Latte Macchiato und damit sämtliche Farben zwischen Schoko und Kaffee durchdekliniert. Hier ist eine deutliche Verlagerung zu erwarten.“

Um Räumen Tiefe und Möbeln Ausdruck zu verleihen, wird das bislang so dominierende warme Braun daher allmählich von den dunklen, kühleren Blautönen und Dunkelgrau abgelöst, das mit Nuancen von Schiefer über Graphit und Asphalt zu Betongrau weiterhin stark vertreten sein wird. Als weitere Option für einen ausdrucksvollen Background bietet sich die schon im letzten Jahr auftrumpfende Trendfarbe Schwarz an. Neu etablieren könnte sich ein dunkles Grün, das von Pinie bis zu Schwarzgrün eine wärmere Alternative ins Spiel bringt und damit die Tür öffnet für ganz neue Farbharmonien.

Ein farblich stimmiges Ambiente braucht eine ausgeglichene Balance zwischen bunt und unbunt, warm und kalt, neutralen Nuancen und Akzentfarben. „Zu den weiterhin gerne großflächig verwendeten Dunkelfarben braucht es auch leuchtende Kontraste“, so Dr. Kalthegener. „Die gelbgrünen Farben wie Limette und Lemongrass, die auch oft mit Tönen des Rot-Spektrums wie Fuchsia kombiniert wurden, haben wir schon seit zehn Jahren in unseren Wohnungen. Sie erscheinen gerade der anspruchsvollen Konsumentengruppe mittlerweile zu konsumig. Diese Töne und Farbkombinationen bewegen sich derzeit in Richtung Gelb, das einen perfekten Kontrast zu Dunkelgrau darstellt.“

Doch Gelb ist nicht gleich Gelb. Die Gelbpalette der kommenden Saison reicht von einem hell interpretierten Ocker, das als warmes, sonniges Sandgelb sehr populär werden dürfte, bis zu einem kräftigen Citro und Limelight. Wie viele ihrer Kollegen sieht Kalthegener gerade bei den ockrigen, goldfarbenen Nuancen großes Potenzial. Das spiegelt sich auch in der Wiederentdeckung des Messings als Trendmaterial wider, das sich hier und da bereits als Alternative zu Kupfer sehen lässt, welches die Einrichtungswelt in den letzten drei Jahren geradezu überrollt hatte. Dieses bleibt auch weiterhin aktuell, vor allem in Form einer rostigen Farbvariante. Auf der imm cologne dürften demnach beide Metalle und Metalltöne parallel zu finden sein.

Das aktuelle Sandgelb macht deutlich, wie stark Farben in ihrer Wirkung von den sie begleitenden Tönen und Materialien beeinflusst werden. Sandgelb wirkt, wenn es auf Schwarz liegt, fast wie ein Pastell, während es vor Weiß eher kräftig und gewichtig erscheint. Auf einem weißen Blatt Papier wirkt das sonnige Ocker schwer, doch in Kombination mit einem Eiche-Möbel funktioniert es wie eine zarte, organische Aufhellung des Holzes. Ocker ist an sich zwar eine eher traditionelle Farbe – eines der ältesten Pigmente, die in der Menschheitsgeschichte verwendet werden –, passt aber hervorragend in das moderne Wohnen und kann sowohl akzentuierend als auch großflächig verwendet werden.

Als weitere Kontrastfarbe zu dem Dunkelspektrum Schwarz-Dunkelgrau-Dunkelblau-Dunkelgrün bleibt ein leuchtendes Blau-Spektrum aktuell. Neben dem schon recht weit verbreiteten Petrol tauchen vermehrt hell leuchtende Varianten von Aqua-Mint bis Karibisch-Türkis auf. Vor Pinie oder Dunkelgrau harmonieren sie perfekt selbst mit kräftigen Gelb-Akzenten.

Eine Weichenstellung im Farbraum hingegen erzwingt die dritte Kontrastfarbe des aktuellen Farbtrends: Die Farbexpertin sieht im roten Farbraum eine deutliche Verschiebung von Fuchsia und violetten Tönen hin zu einem zurückhaltenden Orange-Rot. Die hier auftauchenden Nuancen bewegen sich „irgendwo zwischen Rot und Kupfer“, so Dr. Kalthegener, „und erinnern an Himbeeren, aufgeschnittene Wassermelonen – oder in einer etwas zarteren Variante an Flamingos.“

Watermelon empfiehlt sich vor allem als guter Partner zu Dunkelgrün, aber auch zu bereits etablierten Farben wie Dunkelblau oder Petrol. Denn als Accessoire-Farbe zu bereits vorhandenen Möbeln und Einrichtungskonzepten können sich auch solch neue, Mut erfordernde Kontrastfarben schnell durchsetzen.

Während sich also die eine Kontrastfarbe – Watermelon – aus dem Materialtrend Kupfer weiterentwickelt, kommt mit Sandgelb ein neues Material – nämlich Messing – in die Hotellobbys und Wohnzimmer.

Als Farbklang empfiehlt die Farbexpertin eine Kombination von einem dunklen Farbton (Dunkelblau, Dunkelgrau, Dunkelgrün) mit einem oder zwei Kontrastfarben des aktuellen Gelb- und Blauspektrums (etwa Sandgelb, Citro und/oder Aqua-Mint) oder aber eine Kombination mit den Kontrastfarben Sandgelb und Watermelon. Als mutige, dabei aber sehr schöne Farbzusammenstellung sieht sie die Kombi von Pinie und Watermelon zu blond aufgehellter Eiche. Eine Kombination mit allen drei aktuellen Kontrastfarben – Limelight, Aqua-Mint und dazu noch Watermelon – kann hingegen schnell zu bunt und überladen wirken.

Wichtig dabei, betont Dr. Kalthegener, ist nicht so sehr die Frage, welche Farbe denn jetzt die dominierende sei. Alle haben ihre Berechtigung und ihre Zeit. Entscheidend sei vielmehr die Überlegung, welche Farbnuance auch längerfristig zum Wohnen passe, und vor allem, zu welcher Umgebung, zu welchem Interieur und für welche Zielgruppe. Für die Hersteller ist die Farbwahl bei jeder Produktgruppe von Bedeutung. Nur die mutigsten Marken werden sich bei der Entwicklung eines neuen Sofas für eine so farbintensive Akzentfarbe wie Watermelon entscheiden. Eine Leuchte, ein Kissen oder eine Kontrastnaht hingegen wird man bei designaffinen Ausstellern der imm cologne wohl eher finden.

Bleibt noch die Frage nach den Holztrends. Zu den Dunkeltönen würde Eiche eigentlich perfekt passen, doch diese Holzart ist schon seit Jahren ein Dauerbrenner. Wenn also schon das Weiß als dominierende Unbunt-Farbe von Schwarz bzw. Schwarz-Weiß-Kombinationen abgelöst wird, erwartet die Parkett-Leger und Massivholz-Fans jetzt auch ein Down-Grading von Eiche?

Hier gibt es Entwarnung: Als Holzfarbe im mittleren Spektrum wird Eiche bleiben, zudem häufig in aufgehellten Tönungen. Denn das ist es, was alternativ zu den ganz dunklen, kaffeebraunen Hölzern wie auch jenseits der skandinavisch-blonden Leichtigkeit gesucht wird: Hölzer mittlerer Helligkeit, irgendwo zwischen Honigfarben und Cognacnuancen. Diese lassen sich nämlich gut mit den neuen Sand- Tönen und den hellen Blickfangfarben kombinieren, aber auch mit den dunklen Ambiente-Farben.

Noch ein Tipp der Farbberaterin: Die fünf aktuellen Wohnfarben (etwa Pinie, Sand, Aqua, Citro und Watermelon) sollten nicht willkürlich wie auf einer Palette zusammengerührt, sondern ganz gezielt und dosiert verwendet werden. Dabei muss man sich zwischen Türkis/Aqua und Watermelon als Akzentfarbe entscheiden. Dann können sehr stimmungsvolle und langlebig attraktive Farbarrangements entstehen.

Denn: Wer würde bei der Kombination von Piniennadel-Grün mit Nuancen von sonnigem Sand und Aqua nicht gleich an die Karibik oder den Weg zum Strand denken?

Auch eine gute, in Glanz-Matt-Kontrast besonders aktuelle Farbkombination der Saison: Schwarz-Weiß – hier dargestellt durch das Dusch-WC Mera von Geberit. (Foto: Franks Garage, far.consulting)

Hier sind gleich mehrere Farbnuancen des Trendfarben-Spektrums Blau/Aqua, Gelb und Grün auf grauem Fond vereint. Hauptprotagonisten dabei sind die Thonet All Seasons Stühle S 33 und S 34, darüber die Lampe Candyofnie von Fatboy. (Foto: Franks Garage, far.consulting)

Kombinationen von dunklen Ambiente-Farben wie Grau und Schwarzgrün mit Akzenten in Watermelon; dazu passen Möbel in warm und hell interpretierter Eiche – hier zum Beispiel der Schreibtisch Sol von Team 7. (Foto: Franks Garage, far.consulting)

Blickfang in sonnigem Gelb: der Sessel Divanitas (Verzelloni). Und ergänzt sich auch gut mit einer frischen Aqua-Nuance als zweiter aktueller Akzentfarbe (Beistelltisch LO12 von der Müller Möbelfabrikation). (Foto: Franks Garage, far.consulting)

Auch dem schon fast allgegenwärtigen Weiß – hier mit dem neuen Möbelprogramm now! Easy von Hülsta inszeniert – lässt sich durch Kombination mit Grautönen und aktuellen Akzentfarben aus dem gelben Farbspektrum ein neuer Touch verleihen. (Foto: Franks Garage; far.consulting)