10 Trends der imm cologne 2015

10 Trends der imm cologne 2015

Was ist die neue Trendfarbe? Entwickelt sich der letztjährige Trend “Gemütlichkeit” auf der imm cologne 2015 zum Megatrend? Und wie wichtig sind ganz persönliche Lieblingsplätze in den eigenen vier Wänden?

Insgesamt 10 Trends haben Frank A. Reinhardt und sein Team von far.consulting identifiziert und an jedem Messetag im Vortragsforum The Stage auf der imm cologne 2015 kurz und knapp vorgestellt. Außerdem fasst der Design-Journalist hier noch einmal die wichtigsten Highlights der imm cologne im designorientierten Pure-Bereich zusammen – alles, was man nicht verpassen sollte.

01 German Gemütlichkeit

01 German Gemütlichkeit

Foto: Karsten Jipp; far.consulting; Koelnmesse

Wer in diesem Winter cool sein wollte, musste sich warm anziehen und die Wolle möglichst in mehreren Schichten drapieren. Und auch beim Wohnen braucht man auf Cosiness nicht verzichten, um Stil zu beweisen: Noch nie war Gemütlichkeit so weltoffen, schön und schnörkellos modern wie heute.

Schon auf der letzten internationalen Einrichtungsmesse imm cologne interpretierten Einrichtungsmarken den Megatrend in vielen Facetten: kuschelige Accessoires verwandelten Riesenbetten in Liegewiesen, warme Farben und weiche Textilien sorgen seit 2014 für eine sinnliche Atmosphäre auch bei geradlinigen Interieurs, und Holz dominiert weiterhin den wohnlichen Materialtrend. Sofas und Sessel zeigen sich insgesamt weit weniger kantig als in den letzten Jahren. Leichtfüßig, ja sogar grazil variieren sie mit geschwungenen Formen und abgerundeten Silhouetten traditionelle Typologien aus den 50er- und 60er-Jahren. Auch in der Größe beweisen sie Understatement, genauso wie ihre Begleiter: kleine Schränkchen und diverse Beistelltische gesellen sich zu Gruppen unterschiedlich gestalteter Polster, Poufs und Hocker. Zur imm cologne 2015 scheint dieser Trend eine noch größere Bedeutung zu erfahren – viele imm cologne-Neuheiten greifen den Trend zur „German Gemütlichkeit“ auf und unterstreichen ihn mit maßgeschneiderten Accessoires. ch bin ein Textbereich.

Die Klarheit grafischer oder architektonisch geradliniger Formelemente wird dabei durch weiches Leder-Finish, handwerkliche Details, Kombinationen mit Kissen und Decken, stoffbezogene Schrankwandtüren, warme Farbtöne und grobe Maschen weichgezeichnet. Auch darf die Wohnung gerne ein wenig „unaufgeräumt“ aussehen. Tatsächlich steht hinter diesem „be-wohnten“ Look die professionelle Hand eines Interior Designers. „Der Berufsstand des Interior Designers wird nun auch in Deutschland in den nächsten 5 bis 10 Jahren einen höheren Stellenwert erfahren, ähnlich wie in Großbritannien oder den USA. Menschen werden endlich bereit sein, für eine professionelle Planung Honorar zu investieren“ so Frank A. Reinhardt optimistisch.

Foto: Neff; Megacollection

Der Trendforscher zog in seinem Vortrag auch andere Bereiche der Wohnung hinzu und stellte im Küchenbereich eine ähnliche Entwicklung fest. „Die Küche soll dabei auf keinen Fall klinisch steril wirken. Ich finde es klasse, dass die Küchen nicht mehr so aufgeräumt wirken. So ist das Leben ja auch nicht“, wurde der Designexperte Frank A. Reinhardt in einem dpa-Artikel zitiert. „So sieht das auch in meiner Küche aus.“

02 Black Celebration

Foto: Constantin Meyer; Koelnmesse

Der neue schwarze Trend ist auch bei Stoffen zu erkennen, denen durch interessante Strukturen Leben eingehaucht wird. Wo viel Schatten ist, ist auch das Licht nicht fern: Im Kontrast der „Nicht-Farben“ Weiß und Schwarz ergeben sich interessante Muster und Kombinationen.

Weiß und Schwarz blicken schließlich auf eine lange Tradition zurück und wecken Erinnerungen an die Mode der 50er- und 60er-Jahre. Aber auch Grau-Abstufungen sind zu finden. Nur zeitlos sollten sie sein, die Formen, die heute Schwarz tragen. Ganz mutige Architekten, wie zum Beispiel Neri&Hu auf der imm cologne 2015 mit ihrem Top-Event „Das Haus“, setzen Schwarz zunehmend in der Architektur ein. Hier stand die schwarze Fassade im kontrastreichen Spannungsspiel zu den farbigen Innenseiten.

Nach einer sehr langen weißen Phase im Interior Design setzt Schwarz wieder neue Akzente im Farbenspiel. Ob Hochglanz oder Matt: Schwarz ist schick, neutral und passt ideal zu anderen Farben. Im Umfeld von schwarzen Möbeln oder Stoffen haben es Deko-Gegenstände oder andere Möbel besonders leicht, aufzufallen – sie leuchten regelrecht. Gerade möbelige Klassiker bekommen durch den durchgängigen schwarzen Anstrich ein neues Gesicht, wie zum Beispiel die Sonderedition des Lounge Chairs von Charles & Ray Eames (Vitra).

03 Private Office

Foto: Karsten Jipp; far.consulting; Koelnmesse

Das Home-Office von heute ist flexibel – und das nicht nur, weil die ganze benötigte Technik in einen Laptop passt, sondern auch, weil der gesamte Arbeitsplatz zu einem einzigen kleinen Möbel komprimiert werden kann.

Meterlange Bücherregale und tonnenschwere Aktenschränke hat kaum noch jemand in seinem Home Office. Und trotzdem gibt es noch ein Platzproblem. Denn natürlich ist auch die heutige Generation von Individualisten zur Regeneration auf Rückzugsplätze angewiesen, an denen man allein sein, sich wohlfühlen und konzentrieren kann. In den räumlich zunehmend undifferenzierten modernen (Einraum-)Wohnungen, in Lofts, die Schauplatz des gesamten sozialen Lebens der Menschen werden, in Wohngemeinschaften oder auch in der chronisch wuseligen Familienbehausung werden solche Lieblingsplätze jedoch zur Mangelware. Wohnraum wird gerade im urban verdichteten Raum immer effizienter genutzt. Dabei wird aber mehr Raum für gemeinschaftliche Aktivitäten reserviert – der große Esstisch muss schließlich irgendwo stehen.

Vorbei ist damit die Zeit des separaten oder abgetrennten Arbeitszimmers, für das sowieso spätestens nach dem ersten Kind kein Platz mehr vorhanden ist. Und während das alte Arbeitszimmer auch schon mal den Charme einer Rumpelkammer haben durfte, sollen moderne Arbeitsplätze – da „offen-sichtlich“ – auch stylischer, leichter, cooler sein als die alten, schweren und respekteinflößenden Schreibtische. Sie müssen mit einem Laptop ja auch nicht mehr so viel tragen. Integrative Lösungen sind also gefragt. Gesucht wird das letzte freie Fleckchen in der Wohnung, oder aber eine Tisch-Sitz-Kombination für eine praktische Mehrfachnutzung. Und so finden sich Arbeitsplätze nicht nur im Schlafzimmer oder unter einer Treppe, ja sogar im Flur, sondern auch am riesigen Küchentisch oder am Sofa. Wenn es jedoch wirklich ein klassischer Schreibtisch sein soll, dann kommen zunehmend Solitäre zum Einsatz, die nichts anderes sind als Varianten des guten alten Sekretärs: In sich geschlossene Arbeitssysteme, deren Innenleben man nach Feierabend zuklappen, nach unten schieben, verschließen oder sonst wie verstecken kann. Schließlich möchte man irgendwann auch mal zum gemütlichen Teil des Lebens übergehen.

Auch auf ergonomische Ausstattungspunkte legt der Freiberufler Wert: Ein Tisch mit (vollautomatischer) Höhenverstellung für ergonomisches Sitzen und eine entspannte Arbeitshaltung darf auch schon mal etwas mehr kosten. Schließlich ist der Körper das wertvollste Arbeitsinstrument. Natürlich sollte sich der Arbeitsplatz der Umgebung anpassen, also ganz im Sinne eines kuscheligen Heims ausgestattet sein. Eine Alternative zum individuellen Schreibtisch sind auch Sitzmöbel, die zum langen Verweilen einladen und das Lesen und Arbeiten mit mobilen Geräten erlauben.

04 Back to Tangibles – das neue Ideal materieller Werte

Foto: Vitra; Lounge Chair

Bei all den Nullen und Einsen, die unser Leben durchorganisieren und auch noch für unsere Unterhaltung sorgen, sehnen wir uns nach durchschaubaren, nachvollziehbaren Zusammenhängen. So sehr uns die Blackbox der Digitalisierung fasziniert, so sehr wünschen wir uns den einfachen Schlüssel mit Bart, das selbstgebackene Brot, das selbst zusammengebaute Regal zurück. Der DIY-Trend, die Lust an Naturmaterialien, die wiederaufkeimende Camping-Bewegung und die aktuellen Trends von Country Kitchen-Look bis Outdoor Living sind Indizien für die Sehnsucht nach authentischen sinnlichen Erlebnissen – und zwar gar nicht so sehr im Abenteuer-Urlaub, sondern zuhause im Garten, in der Küche, im Wohnzimmer. Das Materielle wird angesichts der zunehmenden Virtualität im Alltagsleben zum sinnlichen Luxus, und die Wertschätzung des Handwerks steht für die Wiederentdeckung der Welt, die man berühren kann.

Mit dem Gefühl der Entfremdung, das mit der Digitalisierung des Alltags aufkommt, wächst die Faszination an allem, was man anfassen kann und dessen Funktionsweise zu durchschauen ist. Der wahre Luxus sind heute nicht mehr Hightech, futuristisches Design, funktionelle Kunstfasern, goldene Wasserhähne oder elektrisch verstellbare Fernsehsessel. Wer heute repräsentieren oder einfach nur gut leben will, umgibt sich mit einfachen, aber qualitativ hochwertigen Dingen wie Massivholzmöbeln in klassischem Design, handgesäumten Bezügen und handgepolsterten Sofas; er bettet sich auf Wolle und Leder, sitzt auf echten Originalen und steht auf handgeknüpften Teppichen in modernem Design. Nicht umsonst wächst im digitalen Zeitalter die Faszination für mechanische Uhren, die eben nicht mit höchster Effizienz, sondern mit höchster Kunstfertigkeit und viel, viel Zeit hergestellt werden.

05 Das Bad wird Zimmer

Foto: Constantin Meyer; far.consulting; burgbad

Orte, an denen sich das Leben knubbelt: die Straßenkreuzung in der Rush Hour, die Kneipe während der WM, die Küche bei Partys. Es ist Zeit, sich zu einem weiteren Knotenpunkt des Alltagslebens zu bekennen, der nicht immer repräsentativ, aber genauso zentral und kommunikationsfördernd ist: das Badezimmer. Analog oder digital – das Bad wird immer mehr zu einer Schaltzentrale in unserer modernen Wohnkultur.

Großraumduschen, Doppelbadewannen und Doppelwaschtische werden auch deshalb immer stärker nachgefragt, weil das Badezimmer als gemeinschaftlich genutzter Raum hoch im Kurs steht – und das nicht nur bei Familien. Das Bad dient heute nicht mehr nur der Körperpflege, sondern auch der Gesundheits- und der Beziehungspflege. Gekuschelt wird demnach nicht mehr nur auf dem Sofa, sondern auch im Badezimmer. Oder eben auf dem Sofa im Badezimmer. Und wenn das Badezimmer nicht nur mit einer Sauna, sondern gleich mit einem Kamin ausgestattet wird, ist der Traum vom Luxus-Bad komplett. Was liegt da näher, als dem Wunsch nach mehr Wohnlichkeit nachzukommen und Platz für Sitzmöbel, Fitnessgeräte und insgesamt mehr Bewegungsfreiraum zu schaffen? Bewegungsraum für spielende Kinder, Yoga-Übungen, Liegestützen, Bücherwürmer und Entspannungsstunden. Egal, ob alleine oder zu mehreren, denn zum Glück gibt es ja immer noch einen Schlüssel im Schloss, wenn man einmal ganz alleine sein will. Ein Raum der fast unbegrenzten Möglichkeiten, die noch entdeckt werden wollen.

06 Digital Comfort

Foto: Karsten Jipp; far.consulting; Koelnmesse

Digitale Angebote für die Heim-Vernetzung boomen: Heizung per App regulieren, Feuermelder online beobachten, Kameras und Bewegungsmelder oder die ganz persönliche Wetterstation. Das ist aber nur der Anfang: Jedes Zimmer im Haus 3.0 wird digitalisiert. Alle Elektrogeräte kommunizieren mit dem eigenen Tablet oder Smartphone, die digitale Einkaufsliste wird direkt mit dem Online-Supermarkt verknüpft, und der Rezept-Generator weiß genau, was an Vorräten im Hause ist, und spuckt das passende Rezept dazu aus. Im Badezimmer ist die digitale Revolution zum Teil schon Realität. Alle Hausbewohner können in der Dusche ihr individuelles Duschprogramm abrufen: ob jemand ein Warm- oder ein Kaltduscher ist, oder ob er/sie eher ein vitalisierendes oder ein gemütliches Wasserprogramm bevorzugt, weiß die Armatur irgendwann besser als der Bad-Besitzer. Berührungslose Armaturen finden auch im privaten Bereich immer mehr Beachtung, und Dusch-WCs mit eingebauter Po-Dusche, Sitzheizung und Integriertem Radio sind inzwischen auch auf der nördlichen Erdhalbkugel im Kommen; selbst die Online-Verbindung des WCs mit der Hausarzt-Praxis samt regelmäßiger Übertragung der Vital-Daten scheint nur noch eine Frage der Zeit.

Schreibtische fahren per App hoch und runter, Garagen-Tore gehen auf und wieder zu, Sofas neigen sich dem Nutzer entgegen und leuchten freudig zum Empfang auf. Esstische klappen sich automatisch zusammen, Oberschränke gehen auf einen Handwink automatisch auf, und das Waschbecken wird sich künftig wohl auch auf die jeweilige Körpergröße seines Nutzers einstellen können. Für Anhänger der „Quantified Self“-Bewegung sei noch auf den Fitness-Tracker in Form eines Armbands zur Analyse von Vitaldaten und Schlafgewohnheiten hingewiesen. Hier könnten jedoch ein gutes Bett und ein Abendspaziergang unter Umständen mehr Gutes tun. Ergonomische Möbel und adaptive Systeme können aber den Alltag gerade älterer Menschen sinnvoll erleichtern. Sinn und Unsinn der Digitalisierung von Heim und Herd, Medien und Mensch liegen eben dicht beieinander.

07 Heavy Metal

Foto: Karsten Jipp; far.consulting; Koelnmesse

Auf der imm cologne 2014 sprangen den Besucher massiv wirkende kupferfarbene Lampen, Tische und Accessoires geradezu an. Dieser Hype scheint aktuell abgeflacht – doch halt, er zeigt sich nur etwas distinguierter und entspannt: in Form weich gebürsteter Oberflächen und satt schimmernde Textilien, die mal an rustikales Metall, mal in tiefem, warmem Orange an eher erdige Kupfertöne erinnern. Der extravagante Stoff Eprisma aus der Frühjahrskollektion 2015 von Création Baumann will wie eine Skulptur am Fenster wirken. Zahlreiche pyramidenartige Dreiecke aus Pailletten-Folie schimmern am Fenster um die Wette: Auf einem halbtransparenten Stoff sind schillernde Dreiecke dicht an dicht streng geometrisch angebracht. Die Pailletten-Folie wurde dabei dreidimensional geformt und abgesteppt. So wird eine Tiefenwirkung erzeugt, die ein facettenreiches Lichtspiel schafft, das sich je nach Sonneneinfall ändert. Die Wirkung des Stoffes wird dabei von der Farbe der schimmernden Plättchen bestimmt: Kupferfarben sorgen die Pailletten am Fenster für elegante Opulenz und nehmen gleichzeitig den jüngsten Trend der Raumgestaltung auf.

Es scheint, dass der Trend in Sachen Kupfer bei einer breiten Masse angekommen ist. Weitere Metalle, wie zum Beispiel Platin oder Messing sind im Kommen – diese zahlen zusätzlich in den Megatrend „German Gemütlichkeit“ ein.

08 Das Wohnen wird bunt

Foto: Bretz; Napali

Foto: Bretz; Napali

Nach Jahren ungeahnt vielfältiger Grauschattierungen kündigte bereits letztes Jahr ein blauer Farbklang ein Umschwappen des Farbtrends zu bunteren Tönen an. Ein immer noch höchst aktuelles Petrol und Türkis leiten über zu neuen Farberlebnissen: Angeführt von einem warmen, in allen Farbwelten zu findenden Orange, das sowohl zu erdigen und rostigen Farbklängen passt als auch zu frischen, mal rustikal-nostalgisch, mal jung und frech interpretierten Kombinationen von Rosé, Puder- und Himmelblau, pastellenem Zitronen und Buttergelb und bis zu mehr oder weniger sattem Violett zeigen vor allem Wohntextilien und Polstermöbel wieder Farbe. Dabei fühlt man sich nicht nur an die Retro-Welle der 50er- und 60er-Jahre, sondern gelegentlich sogar an die rosa Hosen und gelben T-Shirt-Kombinationen von Anika und Tommi aus den Pippi-Langstrumpf-Filmen erinnert.

Foto: far.consulting; Ligne Roset, imm cologne 2015

Auch sonst sind mutige Farbakzente das wirksamste modische Statement: Es wird auf Teufel komm raus kombiniert – exotische Muster mit Uni, Plüsch mit Metall, Fell mit Filz, Florales mit Grafischem, Petrol mit Fuchsie und Maisgelb. Doch Vorsicht: Auch wenn es so aussieht, ist bei den Farb- und Materialkombinationen zwar alles erlaubt, aber nichts beliebig. Wer hier mit Farben spielen will, sollte ein Händchen für Details haben.

Foto: Plumen

09 Upcycling

Foto: Karsten Jipp; far.consulting: Koelnmesse

Upcycling ist in der Mode und bei Möbeln nicht nur ein Nachhaltigkeitskonzept, sondern ein echter Trend. Beflügelt von der nun schon einige Jahre anhaltenden DIY-Bewegung werden nicht nur wiederverwandte Materialien verarbeitet, sondern ganze Elemente wie Schubladen, Taschen, Lampenschirme, Lederjacken, Teppiche, Stühle oder Nachttischchen zu neuen Schmuckstücken für das Outfit von Körper und Wohnung umgemodelt. Manche Hersteller machen sich dieses Prinzip zu Eigen: Schulte Design etwa flirtet mit Fell – und zwar mit dem seiner Kunden. Wer Großmutters Pelz nicht mehr tragen möchte, aber auch nicht einfach entsorgen will, kann ihn jetzt einfach an den Krefelder Möbelhersteller schicken. Mit der Second Life Edition wird der nicht mehr getragene Pelz zu einem Maßanzug für den Klappstuhl Butterfly umfunktioniert. Das Upcycling dieser oft wertvollen Schätze macht die Felle als Fashion für den Stuhl wieder tragbar. Und wer keinen Pelz fürs Upcyling im Schrank hat – kein Problem! Natürlich verfügt Schulte Design über einen gut sortierten Fell-Fundus. Dann heißt es: Überraschen lassen. Nachhaltige Produktion ist zu einem Maßstab auch in der Möbelindustrie geworden.

Gesucht wird auch nach neuen, natürlichen Materialien, wie zum Beispiel Fique. Fique ist in Kolumbien in etwa das, was in anderen Ecken der Welt Kokos oder Baumwolle ist. Der schweizerische Teppichhersteller Ruckstuhl hat hierzu die Teppichkollektion Maglia entwickelt. Das Naturmaterial wird vor Ort von Hand gesponnen, gefärbt und mit großen Nadeln verstrickt. Die farbliche Tiefe wird durch sieben unterschiedlich gefärbte Teilfäden erreicht. Die Produktion der Unikate kann auf Kundenwunsch in Farbe und Form individuell ausgeführt werden.

10 Wohnen mit Witz

Wohnen mit Witz

Foto: Koelnmesse; Soonsalon

Als zehnter Trend sei hier beispielhaft einer der vom Messepublikum ausgemachten genannt: Möbel mit Humor. Von den zahlreichen Rückmeldungen aus der Zuhörerschaft der Vortragsreihe von Frank A. Reinhardt ist dieser Aspekt aktueller Einrichtungstrends nicht nur besonders originell, sondern auch besonders durchgängig. Beispiele finden sich nicht nur zuhauf bei den Entwürfen junger Designer – gebündelt in der Halle Pure Talents zu sehen – sondern auch bei der Inszenierung etablierter Marken. Die selbstreflektive Haltung vieler, vor allem junger Designer prägt die Szene und gilt mittlerweile auch im Establishment als chic. Sei es die schulmeisterliche Geste einer Stehlampe, die bei Dauerbeleuchtung die Stromzufuhr kappt, der Hocker mit Huckepack verschnürten Decken als Sitzpolsterung (Soonsalon), die Tapete mit Rehkitzfell-Muster oder nur das obligatorische, per Steckverbindung zusammensetzbare Hirschgeweih für die moderne Wanddekoration – Möbel und Einrichtung können richtig Spaß machen. Ironie und Understatement jedenfalls stehen als Stilmittel hoch im Kurs.

Frank A. Reinhardt, Industrie-Designer (Uni Wuppertal) mit BWL-Background (Uni Köln), wollte nach einigen Jahren im Produktmanagement von Markenunternehmen (Sanitärbranche) eigentlich nur mal einen frechen Kommentar in einer Fachzeitschrift veröffentlichen. Doch dann wurde er gleich als freier Mitarbeiter und schließlich als freier Redakteur (SBZ, design report) rekrutiert. Nach einem Ausflug in eine Top-10-Corporate Design-Agentur machte er sich 1999 mit Projekten wie Trend- und Marktstudien, der Konzeption und Redaktion von Sonderpublikationen sowie mit seiner journalistischen Tätigkeit für Fachmagazine wie Page, w&v u.a.m. selbstständig. Heute ist er ein gefragter Publizist und Juror bei Wettbewerben und anderen Auswahlgremien.